Medienservice vom: 04.10.2013

BAWAG P.S.K. hat Ausstieg aus Swap nicht empfohlen

In der jüngsten Verhandlungsrunde im Prozess Linz gegen BAWAG P.S.K. am Donnerstag, 3. Oktober, ließ der Zeuge Christoph S. mit überraschenden Aussagen aufhorchen. S. war bis Juni 2008 in der Bank Austria für den Verkauf von Derivaten u.a. an den öffentlichen Sektor zuständig, ab Juli 2008 hat er die Leitung der für den Swap 4175 zuständigen Derivativ-Verkaufsabteilung der BAWAG P.S.K. übernommen.

Die Befragung des Leiters der Abteilung Corporate Treasury der BAWAG P.S.K. ergab, dass man in der BAWAG P.S.K. selbst am Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 „nicht von einer massiven nachhaltigen Krise“ gesprochen habe. Die Bank habe dem damaligen Linzer Finanzdirektor Werner Penn damals trotz der Schieflage des Swap 4175 keinen Ausstieg empfohlen.

Risiko wirkt wie ein 400 Mio. Franken-Kredit!

Eine im Gerichtssaal abgespielte Tonbandaufzeichnung aus dem Jahr 2007, als S. noch für die Bank Austria tätig war und ein Angebot für die Stadt Linz erstellte, förderte Bemerkenswertes zu Tage. Noch bevor sich Penn in das Telefonat einschaltete, sprach S. laut und überrascht vor sich hin: „400 Euro Schweiz in Delta!....“. S. hatte nämlich bei Erstellung des Angebots erkannt, dass hinter der Formel des Swap-Geschäfts ein Währungsrisiko wirkt, als würde die Stadt Linz einen Kredit in Höhe von 400 Millionen Franken aufnehmen. Im nachfolgenden Telefonat mit Penn wurde dieser Umstand jedoch nicht mehr erwähnt.

Damit bestätigt S. auch Aussagen des Gutachtens des Schweizer Universitätsprofessors Martin Janssen, der in seiner Expertise bereits enorme, unzulässige und verborgene Risken im Swap 4175 festgestellt hat.

„Penn wollte die Zinslast reduzieren“

An anderer Stelle sagte der heutige BAWAG-Abteilungsleiter auf Fragen zur Risikobereitschaft der Stadt Linz mehrfach aus, es sei damals das klare Ziel des damaligen Finanzdirektors gewesen, „die Zinslast zu reduzieren“.